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Davos - Das Weltwirtschaftsforums WEF 23: Teil der Zeitenwende oder ein „Weiter im verbalen Nichts“?


Fast täglich erreichen mich aus meinem Pressenetzwerk Stellungnahmen zum WEF23, das heute, am 16.1.23, wieder in Davos beginnt. Mich erinnern die WEFs and die COPs, also die Welklimakonferenzen: Produktionsstätten von viel heißer Luft, massive Kosten und vor allen Dingen ein Beitrag zur Beschleunigung der Erderwärmung - anstatt von Entscheidungen für eine Umkehr. Ich habe aus den vielen Berichten für diesen Blog einen Beitrag der schweizerischen Tagesanzeiger ausgewählt.


Dort,schrieb der Redakteur Armin Müller folgenden Neizrag:


Das alljährliche Treffen der Mächtigen in Davos ist eine grossartige Veranstaltung. Aber die Lösung unserer drängendsten Probleme sollten wir ihnen sicher nicht anvertrauen.


Am Montag geht es also wieder los. Rund 2700 wichtige Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Showbusiness und Medien aus rund 130 Ländern treffen sich zum 53. World Economic Forum (WEF) in Davos. Gemäss dem WEF-Motto netzwerken, referieren und diskutieren die «Global Leaders», um «den Zustand der Welt zu verbessern». 


Das Zusammenführen bekannter Referenten mit mächtigen und reichen Menschen und die internationale Perspektive entpuppten sich als gutes Geschäft mit weltweiter Ausstrahlung.


Was Klaus Schwab seit 1971 aufgebaut hat, verdient höchste Anerkennung. Die grossen Erfolge liegen allerdings weit zurück. 1988 entspannten Griechenland und die Türkei am WEF den Zypern-Konflikt. 1992 traten der südafrikanische Präsident Frederik Willem de Klerk, Nelson Mandela und Mangosuthu Buthelezi erstmals gemeinsam ausserhalb Afrikas auf. 1994 unterzeichneten der israelische Aussenminister Shimon Peres und der PLO-Vorsitzende Yassir Arafat einen Vertragsentwurf zu Gaza und Jericho.


Noch immer gibt es kaum ein grösseres Problem auf dieser Welt, das das WEF nicht auf seiner Agenda hätte: Klimawandel und Herkunftsnachweise für Batterien, Plastikmüll und Metaverse – kein trendiges Thema fehlt. Es wird viel geredet, Appelle und wohlklingende Absichtserklärungen gibt es im Überfluss. Aber die Kluft zwischen Worten und Taten der «Davos Men» und «Davos Women» scheint von Jahr zu Jahr grösser zu werden.


Die heisse Luft, die produziert wird, kühlt sich in der kalten Bündner Bergwelt schnell ab.

Es sind zwar am WEF immer mehr besorgte Voten zum Klimawandel oder zur Ungleichheit zu hören, aber jeder zehnte Teilnehmende reist mit dem Businessjet an. «Sie sind nicht bereit, existenzsichernde Löhne zu zahlen, aber sie finanzieren eine Philharmonie», bringt es der Ungleichheitsforscher Branko Milanovic auf den Punkt. Die heisse Luft, die produziert wird, kühlt sich in der kalten Bündner Bergwelt schnell ab.


Schwabs Vision, die Mächtigen und Reichen zusammenzubringen, um in der Welt etwas zu bewegen und Durchbrüche zu schaffen, klingt bestechend. Aber sie geht von falschen Annahmen aus. 


Zum Ersten: An Kontakten und der Zusammenarbeit von Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen (NGO) und Regierenden mangelt es ausserhalb des WEF nicht, im Gegenteil. Ausgerechnet die Wirtschaftsführer, die in Davos vertreten sind, haben am wenigsten Probleme, sich Zugang zu Regierungen und Verwaltungen zu verschaffen. Sie haben nicht nur Tausende Lobbyisten in Brüssel, Washington und jeder anderen wichtigen Hauptstadt. Manchenorts schreiben sie die Gesetze gleich selbst mit.


Viele sind in ihrem Job dermassen beansprucht, dass sie sich nur oberflächlich mit den Problemen ausserhalb ihres Unternehmens beschäftigen können.

Sie sind sogar an den Treffen der Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer dabei. Vor dem G-20-Gipfel findet jeweils das Unternehmerforum B-20 statt, an dem sie Empfehlungen und Vorschläge zuhanden der Politik ausarbeiten. Ähnliches gilt für die NGOs. Rund 35’000 von ihnen lobbyieren allein in Brüssel, rund 15’000 in Washington.


Zum Zweiten: Wer einen Konzern leitet, ist nicht automatisch qualifiziert für die Lösung von Weltproblemen. Manager haben zweifellos besondere Fähigkeiten. Sie können Menschen führen, Strategien entwickeln, Mehrwert für die Aktionäre schaffen. Aber für die Lösung von ökologischen, sozialen oder politischen Fragen sind sie nicht prädestiniert. Wenn das WEF vor sozialen Folgen der Inflation oder der Klimakrise warnt und festhält, davon seien besonders die «schwächsten Teile der Gesellschaft» betroffen, dann gehören superreiche Manager nicht unbedingt zu den Bestqualifizierten.


Die Manager und NGOs am WEF sind nicht gewählt und nur ihren Aktionären oder Spendern Rechenschaft schuldig.

Sie haben weder die Zeit noch das Wissen und meist auch nicht das nötige Interesse dafür. Viele sind in ihrem Job dermassen beansprucht, dass sie sich nur oberflächlich mit den Problemen ausserhalb ihres Unternehmens beschäftigen können. Und sie haben einen Interessenkonflikt, sind sie doch mit ihren Unternehmen für einen Teil der Probleme mitverantwortlich, etwa durch Umweltverschmutzung.  


Zum Dritten: Die Lösungen, die Klaus Schwab in seinen Büchern präsentiert, gehen immer von oben nach unten: Die Elite der «Vordenker», die er in Davos versammelt, verständigt sich darauf, was das Beste für die Welt ist – dann kommt alles gut.


Aber von oben herab werden keine Probleme gelöst. In Demokratien wählen die Bürgerinnen und Bürger Parlamente und Regierungen, die sich um das Gemeinwohl zu kümmern haben. Diese sind ihnen rechenschaftspflichtig. Die Manager und NGOs am WEF dagegen sind nicht gewählt und nur ihren Aktionären oder Spendern Rechenschaft schuldig. Die Wirtschaft braucht gute Rahmenbedingungen für Innovation und Anreize zur Langfristorientierung. Aber die Politik zur Lösung unserer drängendsten Probleme ist Sache der gewählten Regierungen und Parlamente. Die «Davos Men» und «Davos Women» wären so ziemlich die Letzten, denen man die Verbesserung der Welt überlassen möchte.




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