Endlager Wüste - wie der Kleidungsmüll in Chile landet

Der Spiegel hat in seiner Ausgabe 48/2021 ein Thema aus meinem Buch "Der Preis des guten Lebens" aufgegriffen, über das ich im Kapitel "Wie man sich kleidet, so lebt man" berichtet hatte.


Ich zitiere den Original-Artiel wie folgt:

Altkleider und selbst neuwertige Textilien aus den Industrieländern landen zunehmend auf Müllkippen in Afrika, Asien, Osteuropa und Südamerika. In der chilenischen Atacama-­Wüste in der Nähe des Textilumschlagplatzes Iquique beispielsweise türmen sich inzwischen T­-Shirts, Hosen und Pullover. »Bei der schieren Masse der produzierten Textilien ist es nicht erstaunlich, dass wir weltweit immer mehr solche Müllkippen sehen«, sagt Viola Wohlgemuth von Greenpeace.


Das schlimmste Übel der Modeindustrie sei die Überproduktion, berichtet die Umweltorganisation in einer neuen Studie. Die weltweite Textilproduktion habe sich zwischen 2000 und 2014 verdoppelt. Bis 2030 sei ein weiterer Anstieg von heute rund 170 Milliarden auf dann 206 Milliarden Kleidungsstücke jährlich zu erwarten.


Im Schnitt 60 Klei­dungsstücke jährlich kauft jeder Deutsche. Immer schneller wechseln die großen Modelabels ihre Kollektionen. Und ein beträchtlicher Teil der Mode bekommt noch nicht einmal die Chance, getragen zu werden. »10 bis 30 Prozent der Kleider schaffen nie den Sprung über die Ladentheke«, sagt Wohlgemuth. Modeketten wie H & M oder Zara erhielten mittlerweile wöchentlich oder sogar täglich neue Lieferungen: »Was dann von der Ware der letzten Charge noch nicht verkauft ist, wird aussortiert und zerstört.«


Wohlgemuth fordert, die Textilfirmen zur Rücknahme ihrer Produkte zu verpflichten und die Warenströme zu entschleunigen. Reparieren, Mieten und Secondhand müssten das neue Normal werden. Bislang werde nur etwa ein Prozent der Textilien zu neuen Kleidungsstücken recycelt: »Jede Sekunde wird eine Lkw­Ladung Kleidung verbrannt oder landet auf einer Müllkippe.«


Die End­lager der Fast­Fashion­Industrie verschandeln nicht nur die Landschaft. Sie sind auch gefährlich: Die oft aus Erdöl hergestellten und mit Chemikalien behandelten Kleidungsstücke brauchen bis zu 200 Jahre, bis sie zerfallen sind. Die Mikropartikel belasten die Umwelt und sind ähnlich schädlich wie die Reste von Altreifen oder Plastik.

ZITATENDE


WIe lange erlaubt sich unsere degenerierte Konsumwelt solche Skandale, die leider selbst einer kritischen Wochenzeiotschrift wie dem SPIEGEL nur eine Randnotiz auf Seite 103 wert sind? Aber immerhin: eine Randnotiz ist besser als überhaupt nicht über dieses Thema zu berichten.




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