Erste Chance verpasst ! Tempo 130 - Forderung ist zunächst vom Tisch

Ich habe viele Mails erhalten, die auf verschiedene Weise die Tatsache, dass die Ampel-Sondierungen das Thema "Tempo 130" zunächst begraben haben, kommentiert haben. Zunächst die erste gute Botschaft dazu: wir bleiben weiter in der kleinen, aber feinen Allianz der Länder ohne Geschwindigskeitbeschränkungen auf den Autobahnen, also Nepal, Nordkorea, Somalia sowie der Isle of Man. Mehr gibt es bei 193 Staaten weltweit nicht. Ein wahrhaftig exklusiver Kreis also.


Die zweite gute Botschaft: Unsere unmittelbaren Nachbarländer dürfen sich weiter freuen, denn die freie Fahrt auf 69% der deutschen Autobahnen bleibt auch für sie bestehen. Die Ferraris 812 mit schweizerischem Kennzeichen auf der Strecke von Singen nach Norden dürfen also ihre 800PS und ihre potentielle Geschwindigkeit von 340 km/h auch weiter testen. Deutschland setzt damit seinen Ruf als Absurdistan bei der Frage eines Tempolimits fort – und die Autokonzerne jubeln.


Andreas Knie, Professor am Wissenschaftszentrum Berlin hat das in einem Interview der aktuellen SPIEGEL-Ausgabe 43/2021 so ausgedrückt: "Es hat hierzulande eine gesellschaftliche Unterordnung unter die Belange des Autos stattgefunden, die phänomenal ist. Hier folgt eine ganze Gesellschaft dem Motto >Ich fahre, also bin ich.<"

In dem Artikel des SPIEGEL wird er damit beschrieben, dass ihm in einer Stunde mehr Sätze zum Thema einfallen, als Andreas Scheuer in seinen dreieinhalb Jahren als Verkehrsminister.


Nein, die potentiellen Koalitionäre haben sich in dieser offensichtlich für die freiheits- und tempoliebende FDP esentiellen Frage nicht mit Ruhm bekleckert, denn sowohl die SPD wie auch die GRÜNEN hatten diese Forderung ja in ihren Wahlprogrammen verankert.


Damit kommt bei mir die Botschaft an, dass von wirklichem Aufbruch kaum die Rede sein kann und Olaf Scholz & Co. tatsächlich das reformerische Wachkoma der Merkel-Jahre fortsetzen will. Er hat sich ja im Wahlkampf auch entsprechend inszeniert – und die deutschen Wählerinnen und Wähler haben genau dieses <Merkel-reloaded<- Modell gewählt und damit ein >Weiter so!< auf alten ausgelatschten Trampelpfaden statt Aufbruch zu neuen Wegen.


Chance verpasst, liebe SondiererInnen und potentielle Koalitionäre.




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