Ursachen für Flächenverbrauch (Flächenfraß): Wohnen und Leben im privaten und öffentlichen Raum

Aktualisiert: Jan 14


Der Zusammenhang von Bevölkerungswachstum und Flächenverbrauch - zu Lasten der Natur


Der Platzbedarf, den wir Menschen für unsere Wohnsituation und unser tägliches Leben benötigen nimmt enorm zu. Dies liegt zum einen daran, dass wir in 70 Jahren ein enormes Wachstum der Weltbevölkerung hatten, wie das nachfolgende Bild zeigt.



Quelle: World Population by Year https://www.worldometers.info/world-population/


Im Jahr 2020 lag die Weltbevölkerung bei 7,78 Milliarden Menschen. Im Jahr 1950 gab es lediglich 2,4 Milliarden von uns. Und je mehr Menschen wir sind, desto geringer wird natürlich auch der Platz, den wir haben.


Dieser Anstieg bringt eine leicht nachvollziehbare Reduzierung der Naturflächen mit sich. Das Ergebnis: Eine permanente und ungebremste Umwandlung in versiegelte Wohn– und natürlich auch Infrastrukturflächen, wie Straßen, Plätze und durch die sehr parallel, eigendynamisch verlaufende Industrialisierung auch Gewerbe- und Industriegebiete.


Die Heinrich-Böll-Stiftung hat sich wie viele ähnliche Institutionen mit diesen Tatsachen beschäftigt. Die Veränderungen kann man im so genannten »Bodenatlas« nachlesen.

https://www.boell.de/sites/default/files/bodenatlas2015_iv.pdf?dimension1=ds_bodenatlas


Rohstoffverknappung durch die weltweite ausufernde Bautätigkeit

Der enorme Anstieg der Siedlungsflächen brachte neben dem Verlust an Naturflächen und der Bodenversiegelung mit ihren negativen klimatischen Auswirkungen noch eine Rohstoffverknappung mit sich. Speziell China mit seiner expansiven Bauentwicklung hat einen wichtigen Rohstoff aus den Weltmärkten abgesaugt, und zwar Sand. Die Vereinten Nationen berichten unter dem Titel »Sand and Sustainability«, also Sand und Nachhaltigkeit vom Kampf für neue Lösungen für die derzeit vorhandene Verknappung der Ressource Sand. https://www.sciencemag.org/news/2019/05/world-needs-get-serious-about-managing-sand-says-un-report


Zusammen mit der Schweiz und der Universität Genf hatte die UNEP die Auswirkungen der Verknappung dieses enorm wichtigen Baurohstoffs und Lösungsmöglichkeiten dieser Situation beleuchtet. Die Schlussfolgerungen aus dieser Studie:

  • Reduzierung rohstoffintensiver Gebäude in Design und Anzahl, also so wenig wie möglich und so viel wie nötig

  • Verwendung von recycelten Baumaterialien mit ähnlicher Beschaffenheit wie der knappe Sand bzw. Verwendung anderer Baumaterialien, z.B. Holz.

  • Staatliche Einflüsse zur Erreichung dieser beiden Ziele

Ich verweise auf den gesamten Bericht, der die Vielfältigkeit dieses Einzelthemas darstellt, aber auch in eindrucksvoller Weise zeigt, welche noch nicht auf breiter Front bekannten Probleme wir auf unserem heutigen Weg der unkontrollierten Explosion bei der Schaffung von Siedlungsflächen und Gewerbegebieten zu lösen haben.


Die Position der Umweltverbände zum Thema Flächenverbrauch

Auf Deutschland bezogen haben sich der BUND und der NABU intensiv mit dem Thema Flächenverbrauch beschäftigt. Nach einer Analyse des NABU verschwinden in unserem Land täglich ca. sechzig Hektar Landschaft für Gewerbe, Wohnungsbau, Verkehr und Erholungsflächen. Diese 600.000 Quadratmeter an täglichem Flächenverlust entsprechen einer Fläche von ca. 774 x 774 Meter – jeden Tag und in einem Land mit relativ geringem Bevölkerungswachstum. https://www.nabu.de/news/2020/07/30hektartag.html


Wie hat sich die Wohnsituation seit den 60er–Jahren verändert?

Eine Erklärung findet sich bei einer Betrachtung der Veränderungen unserer Wohnsituation. Im Jahr 1960 lag in der damaliges Bundesrepublik Deutschland die durchschnittliche Wohnfläche pro Person bei 19,4 Quadratmeter. Die Zahl hat sich per heute mehr als verdoppelt. Für das im Jahr 1990 vereinte Deutschland lag im Jahr 2019 die durchschnittliche Wohnfläche bei 47 Quadratmeter. Hinzu kommt im überwiegenden Teil der westlichen Welt eine Verschiebung der Familiensituationen. So lebten in Deutschland im Jahre 2019 ca. 17,6 Millionen Menschen in einem so genannten Single-Haushalt. Im Jahr lag diese Zahl bei 17,3 Millionen. Die alleine lebenden Menschen in unserem Land bilden damit den Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge die häufigste Haushaltsform vor den Zweipersonenhaushalten (13,8 Millionen).


Die Tendenz ist weiter steigend. »Wohnen« hat nicht nur für die reinen Wohnflächen eine Relevanz, sondern auch für die Wassernutzung und den höheren Energieverbrauch für Heizung und Strom. In der Anzahl der Bewohner pro Wohnung haben sich die Dinge ebenfalls massiv verändert. Anfang des 20. Jahrhunderts lag der Anteil der Wohnungen mit fünf und mehr Bewohnern gemessen an der Anzahl der Privatwohnungen bei 47 Prozent. Der Anteil von »Singlehaushalten« lag seinerzeit bei sechs Prozent. Heute hat sich dieses Verhältnis nahezu umgekehrt: mehr als 45 Prozent der Privatwohnungen sind nur mit einer Person belegt. Der Anteil der Wohnungen mit fünf und mehr Personen gemessen an der Anzahl aller Privatwohnungen liegt dagegen bei nur noch ca. drei Prozent. Auch diese Zahlen verdeutlichen den Zuwachs an Siedlungsflächen und der dazugehörigen Infrastruktur.


Die Veränderung der Technospähre - als Resultat des ausufernden Flächenvebrauchs

Die Veränderungen im Flächenverbrauch führten dazu, dass unser Planet heute von einer Hülle menschengemachter Strukturen umgeben ist. Wie viel diese »Technosphäre« wiegt, haben Geologen erstmals ausgerechnet. Ihr Ergebnis: Die gesamte Technosphäre der Erde hat eine Masse von 30 Billionen Tonnen. Gleichmäßig verteilt entspräche dies einer Last von 50 Kilogramm auf jedem Quadratmeter der Erdoberfläche. Die Vielfalt der menschengemachten Objekte übertrifft bereits die heutige biologische Artenvielfalt, wie die Forscher berichten. Längst haben wir Menschen unseren Planeten nachhaltig und messbar geprägt. Wir verändern chemische und biologische Kreisläufe, manipulieren das Klima und bauen ganze Landschaften um. In vielen Flüssen, Seen und Meeresgebieten schwimmen schon mehr Mikroplastik-Artikel als Organismen und unser Müll füllt gewaltige Deponien.

Alle von uns produzierten oder errichteten Strukturen, Objekte und Technologien haben das Ziel, auf unserem Planeten besser leben zu können. Die Spanne dieser Technosphäre reicht von Häusern, Fabriken, Straßen oder Brücken über Maschinen und technische Geräte bis hin zu Häfen, Bergwerken oder sogar künstlichen Inseln, wie in Dubai. »Auch wir Menschen sind Teil der Technosphäre, obwohl wir lange nicht so viel Kontrolle über sie besitzen, wie wir gerne glauben möchten«, erklärt Jan Zalasiewicz von der University of Leicester. »Denn die Technosphäre ist ein System mit eigener Dynamik und eigenen Energieflüssen und der Mensch ist längst von diesem System abhängig, um zu überleben.« Die obigen Zahlen verdeutlichen, wie viel Material und Energie wir Menschen im Laufe unserer eher kurzen Geschichte bereits für unsere Zwecke genutzt und umgewandelt haben. »Die Technosphäre mag geologisch gesehen noch jung sein, aber sie entwickelt sich mit wilder Geschwindigkeit«, sagt Zalasiewicz. »Schon jetzt hat sie einen tiefen Abdruck auf unserem Planeten hinterlassen.« (Zitat aus Bericht auf www.scinexx.de; Berichtsgrundlage University of Leicester; 1.12.2016; »Technosphäre der Erde wiegt 30 Billionen Tonnen«)

Einen wichtigen Preis, den wir somit für unser gutes und langes Leben bezahlen müssen, ist der Verlust der Natur und Ökosystemleistungen durch verlorene Flächen. Dadurch können wir uns nicht mehr auf die Autoregenerationskraft der Natur verlassen, deren kontinuierliche Abnahme ganz alleine menschengemacht ist.


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