Déjà - Vu : in der Pandemie ein Dauerzustand

Aktualisiert: 10. Jan.

Die Wissenschaft bezeichnet ein "Déjà-Vu"-Ereignis als eines, das wir schon mindestens einmal erlebt haben. Nun ist es so, dass uns die Pandemie permanent solche "Déjà-Vu" - Ereignisse beschert. Überlastete Kliniken, erschöpftes Klinikpersonal, die drohende Triage, Kontaktbeschränkungen, Ausgangssperren und viele, viele schlecht kommunizierte Regelungen.


Immerhin gibt es eine beständige Kernbotschaft: die AHA-Regel, also Abstand, Handhygiene und Alltagsmasken (die aber mittlerweile medizinische Mund-Nasenschutzmasken bzw. FFP2-Masken sein müssen). Hinzugekommen ist dank einer bemerkenswerten Leistung der Medizinforschung die Impfmöglichkeit gegen eine Infektion.

Wie aber sieht die tägliche Realität aus: Abstand ? Sehr oft (ich vermeide mehrheitlich) Fehlanzeige, Die Menschen rücken sich wieder auf die Pelle. Hygiene ? Na ja, ich bemerke auch weiterhin die Menschen, die achtlos an den reichlich vorhandenen Desinfektionsstationen vorbeimarschieren. Und Masken? Bestenfalls 50:50 ! Entweder die Menschen trage keine (auch im ÖPNV) oder sie tragen sie mit freier Nase und oft auch halbfreiem Mund. Achtung! Das Teil heißt nicht KINNMASKE ! Und da gibt es auch noch diejenigen, die sich mit zweifelhaften Befreiungszertifikaten für das Nichttragen einer Maske rechtfertigen.


Und die Impfmöglichkeit? Dank einer erneut ("Déjà-Vu") miserabel kommunizierten und logistisch stümperhaft vorbereiteten Kampagne zur Auffrischungsimpfung fahren wir auch da den Karren wieder in den Sand. Eine Motivationskampagne zur Aufklärung über Wirksamkeit, Sicherheit und Nebenwirkungen der Impfstoffe? Fehlanzeige! Bunte Bilder mit "Lassen Sie sich impfen" überzeugen weder Impfskeptiker, noch Impfgegner.


Das Resultat: eine tief frustrierte und tief gespaltene Gesellschaft ! Zorn und Aggressivität nehmen in Alltagssituationen zu - und nicht nur durch Angriffe von Impfgegnern auf Impfbusse und andere mobile oder feste Impfstationen. Geimpfte gegen Nichtgeimpfte, Abstand-Haltende gegen Nähe-Suchende, Maskenträger gegen Maskenverweigerer – der tägliche Zwist beherrscht unseren Alltag, nicht nur medial, sondern auch erlebt.


Menschen eskalieren bei Nichtigkeiten. Wir sind mit unseren Nerven am Ende. Maskenverweigerer toben in Zügen. Kassiererinnen und Kassierer trauen sich nicht mehr, Maskenverweigerer anzusprechen; sie werde beschimpft, bedrängt und mit Schlägen bedroht. Kontrolleure von 3G im öffentlichen Nah- und Fernverkehr trauen sich nicht, nach Test- oder Impfnachweisen zu fragen weil sie "Angst haben, verprügelt zu werden". Die Polizei ist leider unterbesetzt und überfordert. Rein theoretisch müssten wir eine Polizeistreife je Nah- und Fernzug haben, und natürlich auch je Supermarkt, denn dort erleben das Zug- und Supermarktpersonal ein gefährliches Gemisch aus Angst, Zorn, purer Aggression und höchster Gewaltbereitschaft. Vor allen Dingen erleben wir ein tiefes Gefühl von Ratlosigkeit und fehlende politische Führung. Aus Sorge um den Frieden im Land und mit großen Verweisen auf juristische Folgen vermeidet die Politik bis heute jede größere Zumutung der Menschen und erklärte sogar die "epidemische Notlage von nationaler Tragweite" für beendet". Besonderer Dank dafür an die Herren Lindner, Buschmann, Kubicki & Co - und die braven Koalitionäre der SPD und der GRÜNEN. Sie kuschten brav und schlossen sich kritiklos dem Freiheitsfeldzug der FDP an.


Die alte Regierung hatte keine Lust mehr - und die neue zeigte keine Führungsambitionen. Das Virus bedankt sich für diese große Rücksichtnahme auf sein Ausbreitungspotential. Eine ganze Nation hängt in den Seilen. Nicht nur das "Länd" ist rat- und hilflos, sondern die gesamte Republik. Wie ein führungsloser Supertanker treiben wir im Meer der Pandemie.


4.000 Covid-19-Patienten ringen auf den Intensivstationen um ihr Leben. 50.000 Fußballfans feiern in Köln den Sieg ihres 1.FC. Weihnachtsmärkte öffnen - oder auch nicht. Wir wissen nicht mehr, was richtig und falsch ist. Wir glauben immer noch, dass ein Lockdown, die Luca-App, der Abstand, die Maske etc. das Schlimmste verhindern können, wissen aber längst, dass dem nicht so ist. Dazu würde nur ein frühzeitig aktiviertes und verfügbares und damit segensreiches Instrument taugen: die Impfung.


Leider haben bis heute ca. 15 Millionen Menschen dieses Angebot verweigert. Längst nicht alle dieser Menschen sind Schwurbler, Esoteriker oder potentielle bzw. reale Demokratie- und damit Staatsfeinde. Viele haben einfach nur Angst. Die fehlende Aufklärung zu den Impfstoffen, ihrem Wirkungsgrad und möglicher Nebenwirkungen war der Grund dafür, dass sich deren Einstellung nicht geändert hat. Stattdessen überließ man die Aufklärung des sozialen Medien, die sich mit wilden Theorien austoben konnten. Manche haben in der Tat medizinische Gründe, manche einfach keine Zeit, manche Angst von der Nadel als Solche und manche ein "stabiles Immunsystem", mit dem sie glauben, sicher durch die Zeit zu kommen. Die vielen verstorbenen und vor der Infektion auch kerngesunden Patientinnen und Patienten ändern auch daran nicht wirklich etwas.


Und wir, die 56,795 Millionen geimpften Bürgerinnen und Bürger? Wir müssen uns täglich anstrengen, unser noch verbliebene Resttoleranz mit denjenigen abzurufen, die sich grundlos verweigern. Stattdessen zittern wir bei der Booster-Impfung und fürchten uns vor Angriffen der Impfgegner. Das sind Vorstufen von Anarchie! Militante Impfverweigerer beherrschen die Szenerie und lassen uns knapp 57 Millionen Bürgerinnen und Bürger völlig verunsichert zurück. Die Ärztinnen und Ärzte und ihre Helferteams haben diese Angst für Aggression während der gesamten Impfaktion auszuhalten.


Was nützt es, daran zu erinnern, dass mRNA-Impfstoffe seit fast 20 Jahren auch an Menschen getestet sind, dass mittlerweile 3,2 Milliarden Menschen weltweit vollständig geimpft sind und sich Menschen in der dritten Welt gerne impfen lassen würden, wenn sie soviel Impfstoff hätten, wie wir.


Da empfehlen österreichische Alternativmediziner ein Pferdeentwurmungsmittel als wirksame Medikation bei einer Infektion. Und was machen die Menschen: sie stürmen das Internet, kaufen was das Zeug hält und folgen brav einer völlig idiotischen Empfehlung aus den sozialen Medien. Dies veranlasste die US-Arzneimittelbehörde zu einer Twitter - Hinweis: "You are not a horse. You are not a cow. Seriously, you all. Stop it!"


Und wie geht es weiter ? Mit "Täglich grüßt das Murmeltier" oder mit "Wir nehmen das jetzt endlich mal in die Hand" ? Ich wage keine Prognose - leider, und beende enttäuscht und ratlos diesen Blog, ohne meinen optimistischen Satz von Oscar Wilde zu vergessen: "Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende"






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