Tatbestand: Volksverdummung: Was Politiker von der Energiewirtschaft wissen - und was nicht....

Aktualisiert: 20. Nov.

Eigentlich hatte ich einen moderaten Blog begonnen, mit dem ich um etwas Geduld und Verständnis für die Ampelkoalitionäre werben wollte. Diese Absicht wurde durch das Lesen eines Kommentar des FDP-Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag, Christian Dürr, torpediert, bei dem ich wieder einmal Schnappatmung bekam. Es ist unsäglich, wie manche Politiker, z.B. dieser, mit dem Unwissen der Bevölkerung rechnen, um dann dumme Sprüche loszulassen, die eventuell noch auf fruchtbaren Boden fallen.


Die Vorgeschichte: es ging eigentlich (wie momentan immer) um den Streckbetrieb der verbliebenen AKWs, den die FDP gerne bis 2024/2025/2026/Sankt Nimmerleinstag verlängern will und der die Ampelkoalition einem neuen Stresstest unterzieht. Die CDU/CSU und die AfD reiben sich erfreut die Hände und befeuern die Diskussion mit eigenen verbalen Flammenwerfern.


Als Einstieg in meinen Blog eine kleine Zahlengrafik über die installierte Netto-Nennleistung zur Stromerzeugung in Deutschland, Stand 30.9.2022:

Quelle: https://energy-charts.info/charts/installed_power/chart.htm?l=de&c=DE&stacking=single&chartColumnSorting=default


Die Summe liegt bei 239,92 GW, d.h. die Kernenergie stellt knapp 2% der gesamten maximalen Nettoleistung dar. Ich gehe nicht auf die dogmatisch/politische Diskussion um die Kernenergie ein, deren Ende zum 31.12.2022 parlamentarisch beschlossen ist.


Der Nettostromverbrauch in Deutschland betrug im Jahr 2021 rund 490 Terawattstunden, also 490.000 GW. Der Begriff Nettostromverbrauch bezeichnet die vom Verbraucher genutzte elektrische Arbeit nach Abzug des Eigenbedarfs der Kraftwerke und der Übertragungs- bzw. Netzverluste. Hier die Grafik dazu:


Quelle: https://strom-report.de/strom/#strommix-2021-deutschland


Bevor wir uns dem Thema Stromerzeugung und Stromverbrauch am Ende dieses Blogs erneut widmen, will ich gerne die FDP-Lieblingsthemen Wasserstoff und E-Fuels näher betrachten.


Beginnen wir mit Wasserstoff (H2). Dieser läßt sich auf zwei Arten herstellen:


a) Herstellung aus fossilen Energiequellen, meistens aus Erdgas = Grauer oder Blauer Wasserstoff. Da sowohl Grauer-, wie auch Blauer Wasserstoff klimaschädlich sind scheiden diese beiden Wasserstoffarten aus.

b) mit regenerativen Energien also mit Wind- und Solarenergie = Grüner Wasserstoff. Dieser stellt die einzig mögliche Option dar, und zwar sowohl aus Klimasicht, wie auch aus Versorgungssicht. Ein gutes Schaubild dazu:


Wind und Solarenergie bilden also die Grundlage zur Herstellung von grünem Wasserstoff.


Unser derzeitiger Strombedarf wird von der Frage eines drohenden Black-Outs überschattet, dem Lieblingswort der bad-news orientierten Medien und damit auch das Schlüsselwort für die gesamte Politik. Mit welchen Erzeugungskapazitäten rechnet also der Ökonom Christian Dürr (Schuster, bleib bei deinen Leisten!)?


Das Nadelöhr hinsichtlich der Wasserstoff-Mobilität liegt in der H2-Herstellung, denn dies muss enorm ausgebaut und damit ausgeweitet werden. Kommentar von Prof. Ralf B. Wehrspohn, Fraunhofer-Vorstand für Technologiemarketing und Geschäftsmodelle »Hatten wir 2015 eine installierte Leistung von 21 Megawatt, so ist 2050 das 3000-Fache davon nötig – wenn auch nicht allein für die Mobilität«. Ja, Wasserstoff ist das Erdöl und Erdgas der Zukunft. Es wird uns zwei neue Situationen bescheren:


a) einen enormen Ausbau der regenerativen Energien Wind und Solar, um die notwendige Kapazität zu erreichen

b) bis wir das erreicht haben : einen Kampf um den H2-Weltmarkt (anstelle des heutigen Kampfes um Erdöl und Erdgas)


Das alles weiß ein scheinbar kluger Ökonom wie Christian Dürr mit Sicherheit - und doch wiederholt er wie alle seine Parteifreunde das Mantra des Wasserstoffs als die impliziert kurzfrstige magische Lösung alle Energiefragen, von Mobilität bis Heizung bis Stromversorgung.


Um seinen Versuch der praktizierten Nebelkerzenzündung und damit einer praktizierten Volksverdummung noch zu toppen, setzt er mit dem Thema E-Fuels nach. Hier zunächst wieder die Beschreibung der Herstellung : E-Fuels werden mit Hilfe von Strom aus erneuerbaren Energien, Wasser und CO2 aus der Luft hergestellt und setzen damit im Gegensatz zu herkömmlichen Kraft- und Brennstoffen kein zusätzliches CO2 frei, sondern sind in der Gesamtbilanz klimaneutral. Dieser flüssige Kraft- und Brennstoff lässt sich als Beimengung in Benzin, Diesel oder Heizöl oder als reiner klimaneutraler Kraft- und Brennstoff nutzen, der alle heutigen konventionellen flüssigen Energieträger ersetzen kann.


Wir würden also entscheiden müssen, wie wir den enormen Zubau der erneuerbaren Energien verteilen müssen, denn der Wettbewerb in der Anwendung besteht aus


a) dem permanent ansteigenden industriellen und privaten Strombedarf

b) dem Ersatz von fossilen Heizungssystemen durch strombasierte Heizungssysteme, also mit regenerativem Strom betriebene Wärmepumpen

c) der Zunahme der Elektromobilität im privaten und gewerblichen Bereich

d) der Produktion von Grünem Wasserstoff und

e) der Option von E-Fuels.


Entscheiden Sie selbst, was in den nächsten 10-20 Jahren Priorität haben sollte. Ich bin (fast) sicher, dass die E-Fuels auch nach Ihrer eigenen Betrachtung nicht an der obersten Stelle landen werden.


Auch das weiß Christian Dürr - und auch bei den E-Fuels trägt er nach guter FDP-Tradition die Monstranz der E-Fuels vor sich her: "Sehet ich verkünde Euch frohe Botschaft. Eure Verbrennermotoren sind gerettet. Fahret hin in Euren wohlmotorisierten Karossen und genießen das ökologische Fahrvergnügen mit E-Fuels". Was er dabei außen vorläßt ist die Frage der Herkunft der benötigten aus erneuerbaren Energiequellen erzeugten Strommengen (siehe oben).


Volksverdummung at its best. Danke für nichts, Christian Dürr. Setzen. Note: Ungenügend. Zusammenhänge nicht verstanden und trotzdem so getan als ob.



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