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Zur Generationengerechtigkeit der Klimafragen

Aktualisiert: 15. Jan.

Viele junge Klimaaktivisten weisen die Welt seit vielen Jahren auf die Tatsachen hin, dass ihre Generation von den Folgen der mit den Klimaveränderungen verbundenen Erderwärmung am meisten betroffen sein wird. Sie fordern daher die Welt -zu Recht- zu einer raschen und drastischen Reduzierung von schädlichen Treibhausgasemissionen auf. Besonders im Fokus stehen seit kurzer Zeit die Aktionen der „Last Generation“ oder der Gruppe „Extinction Rebellion“. Sie weisen mit unkonventionellen Maßnahmen radikal auf die Notwendigkeit einer raschen Veränderung der politischen Antworten und Maßnahmen bei den Fragen zum Klimaschutz hin.

Folgen haben Ursachen


Die Klimafolgen sind generationsübergreifend. In der gesellschaftlichen Wahrnehmung herrscht allerdings eine gewisse Lethargie, die mit einem Abwarten auf (welt-) politische Entscheidungen verbunden ist. Die Menschen haben bei den Klimafragen kein Erkenntnisproblem. Sie warten auf konkrete Maßnahmen, die EU-, Bundes- und Landespolitiker festlegen und die ihnen zeigen, wie sich die Erderwärmung auf das immer wieder zitierte Ziel von 1,5°C begrenzen ließe. Zusätzlich erwarten sie konkrete Ziele zur Minderung der Klimafolgen. Politisch gibt aber weder weltweit noch auf EU- noch auch Bundes- oder Landesebene einen kompletten Konsens über die Auswirkungen der Erderwärmung auf Wirtschaft und Gesellschaft. Zögern und Zaudern sind über Jahrzehnte zu einer politischen Gewohnheit geworden – und genau das bringt die Generation der jungen Menschen auf die Straßen der Welt.


Bei all der Unzufriedenheit mit den ausbleibenden politischen Entscheidungen gilt es allerdings auch die Ursachen zu betrachten, die uns in die heutige Situation gebracht haben und die unvermindert fortschreiten. Wie gehen wir mit der Natur und der Biodiversität um? Wie ernähren wir uns, was kaufen wir ein und unter welchen Kriterien wurde das Gekaufte produziert? Wie wohnen wir und wie trägt unsere Wohnsituation zu den Treibhausgasemissionen bei? Wie mobil wollen wir sein und wie achten wir bei der Auswahl unserer Verkehrsmittel auf deren Auswirkungen zu den Klimafolgen? Wie ist unsere persönliche Abfallbilanz, also wie nachhaltig wirkt sich unser Lebensstil auf Plastikabfälle, Elektroschrott, Lebensmittelverschwendung, etc. aus?


Alle diese Fragen gelten generationsübergreifend. Sie sollen verdeutlichen, dass fehlende politische Antworten auf die Fragen zu den Klimafolgen nur ein Grund für die als lethargisch empfundene Einstellung der Gesellschaft sind. Wir alle müssen uns auch selbst für die Maßnahmen gegen die Erderwärmung „ins Zeug legen“.


Wir haben keine Zeit mehr!


Die radikalen Forderungen der jungen Klimaaktivisten haben in erster Linie die ausbleibenden Entscheidungen der Politik zur Zielscheibe. Gleichzeitig sind sie als Weckruf für alle zu verstehen, sei es, um zum Mitmachen aufzufordern oder mehr Bewusstsein für die Aktualität der Klimafragen zu schaffen.


Hintergrund der Dringlichkeit sind unter anderem auch die Prognosen, die aus den aktuellen Sachstandsberichten AR6 des Weltklimarats (IPCC) eindeutig ersichtlich sind. Sie zeigen uns allen, dass die Zeit für eine Umkehr langsam, aber sicher davonläuft. Diese Erkenntnis trifft vor allen Dingen die Menschen, die kurz vor der Jahrtausendwende geboren sind. Sie könnte die Dramatik der Klimafolgen, die vom IPCC auf die Zeit nach 2040/2050 prognostiziert werden, in vollem Umfang treffen. Ihr „worst case“ könnte bei weiter ansteigenden Treibhausgasen mit einer Erderwärmung von 2,5°C – 3°C einhergehen.


Einige Zitate aus dem Sachstandsbericht AR6 des IPCC:

  • Die jüngsten Klimaveränderungen sind weit verbreitet, schnell und verstärken sich seit Jahrtausenden

  • Keine Region entkommt dem Klimawandel

  • Ein Ende des Temperaturanstiegs ist erst in 20-30 Jahren zu erwarten

  • Wenn es keine sofortige, tiefgreifende Reduzierung von Treibhausgasen gibt, ist das 1,5° Ziel nicht erreichbar

  • Sofortige, bedeutende und nachhaltige Reduzierung von CO2-Emissionen und anderen schädlichen Treibhausgasen können die Folgen des Klimawandels immer noch abbremsen. [1]

In mehreren Szenarien wiesen die Berichte auf die Dringlichkeit für eine Umkehr hin, wie sie nun bei den vielfältigen Aktionen der Klimaaktivisten gefordert wird. Wenn wir die Erderwärmung auf 1,5°C begrenzen wollen, müssen die globalen Treibhausgasemissionen vor 2025 ihren Höhepunkt erreichen und werden bis 2030 um 43 Prozent reduziert. Sollte die Erwärmung auf 2°C begrenzt werden, liegt der Höhepunkt der Treibhausgasemissionen ebenfalls vor 2025 und macht dann eine Reduzierung um 27 Prozent bis 2030 notwendig. Die aktuelle Entwicklung der CO2-Emissionen zeigen bis heute ein völlig anderes Bild. Sie stiegen seit 1990 global bis auf wenige Ausnahmejahre (u.a. Finanzkrise 2008/2009, Pandemiejahr 2020) kontinuierlich an. Damit deutet die Ist-Situation in Richtung einer noch stärkeren Erderwärmung als 1,5°C oder 2°C.


Fazit


Die Klimafolgen werden uns alle treffen. Sollte es keine deutliche Reduzierung der globalen Treibhausgasemissionen geben, werden sie die Menschen, die um die Jahrtausendwende oder danach geboren wurden, deutlich massiver treffen als die davor Geborenen. Es ist notwendig, dass wir den Forderungen der Klimaaktivisten mit mehr Verständnis begegnen, auch wenn sie uns als zu radikal erscheinen.


Die bescheidenen und immer unverbindlichen Ergebnisse der bisherigen Weltklimakonferenzen sind ein Armutszeugnis der Weltklimapolitik. Dies war auch auf der aktuellen Konferenz COP-27 in Scharm el-Scheich zu konstatieren. Gerade diese aktuelle 14-tägige Versammlung von mehr als 20.000 Delegierten zeigt uns, wie die Weltpolitik alle notwendigen Veränderungen für eine Umkehr des Klimaschutzes negiert und die Antworten auf eine Zukunft schiebt, die es für viele von uns so nicht mehr geben könnte.


Es ist für uns alle Zeit, aufzuwachen und uns gemeinsam mit den vielen Menschen, die heute schon für einen Veränderung kämpfen, auf den Weg zu machen. Neben solchem Engagement brauchen wir vor allen Dingen Mut für Veränderungen, um mit unserem persönlichen Handeln bei der Ursachenbeseitigung die Folgen des Klimawandels immer noch aufzuhalten. Es ist nicht zu spät.

[1] IPCC Sachstandsbericht AR6, Arbeitsgruppe WG III, Minderung der Klimafolgen




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